Wer zahlt den Notar? Kostenteilung richtig verhandeln
Kurze Antwort: Es ist Verhandlungssache — und gehört ausdrücklich in den Kaufvertrag. Üblich in der Schweiz: Die Beurkundungsgebühr teilen sich Käufer und Verkäufer hälftig, Grundbuch- und Schuldbriefkosten zahlt die Käuferschaft, die Handänderungssteuer je nach Kanton. Steht nichts im Vertrag, gilt kantonales Recht — oft mit Solidarhaftung beider Parteien.
Die Rechtslage in 60 Sekunden
Wer die Gebühren dem Staat bzw. dem Notariat schuldet, regeln die Kantone — vielerorts haften Käufer- und Verkäuferschaft solidarisch: Das Notariat kann die volle Rechnung von jeder Partei verlangen. Davon zu trennen ist die Frage, wer die Kosten im Innenverhältnis trägt — und die ist vollständig dispositiv, also frei verhandelbar. Genau deshalb ist die Kostenklausel im Kaufvertrag kein Formkram, sondern bares Geld: Bei einem Kauf über CHF 850'000 stehen je nach Kanton CHF 5'000 bis über 30'000 an Nebenkosten im Raum (hier für deinen Kanton rechnen).
Was üblich ist — Posten für Posten
| Kostenpunkt | Übliche Praxis | Logik dahinter |
|---|---|---|
| Beurkundungsgebühr (Notariat) | je zur Hälfte | Die Urkunde dient beiden Parteien |
| Grundbuchgebühr (Eigentumsübertragung) | Käuferschaft | Der Eintrag begründet dein Eigentum |
| Schuldbrief-Errichtung/-Erhöhung | Käuferschaft | Dient deiner Finanzierung — Übernahme spart hier am meisten |
| Handänderungssteuer | kantonal verschieden; verbreitet Käufer, teils hälftig | 8 Kantone erheben keine |
| Grundstückgewinnsteuer | immer Verkäuferschaft (gesetzlich) | besteuert wird der Gewinn des Verkäufers |
| Vermittlungs-/Maklerprovision | wer den Makler beauftragt hat (meist Verkäufer) | Auftragsverhältnis |
«Üblich» heisst: regional verbreitete Praxis, kein Gesetz. In einzelnen Regionen ist auch «Käufer zahlt alles» Standard — lass dich davon nicht einschüchtern, es bleibt verhandelbar.
Die Muster-Formulierung für den Kaufvertrag
Der letzte Satz ist kein Misstrauensvotum, sondern Selbstschutz: Für die Grundstückgewinnsteuer besteht in den meisten Kantonen ein gesetzliches Pfandrecht am Grundstück. Zahlt die Verkäuferschaft ihre Steuer nicht, kann sich die Forderung an deiner neuen Liegenschaft festhalten. Sicherstellung (Rückbehalt oder Bankgarantie) gehört deshalb in jeden Vertrag — wie hoch die Steuer ausfallen kann, zeigt der Grundstückgewinnsteuer-Rechner.
Drei Verhandlungstipps
- Früh verhandeln, nicht am Notartermin. Die Kostenteilung gehört in die Reservationsvereinbarung bzw. den ersten Vertragsentwurf. Am Beurkundungstermin selbst hat niemand mehr Verhandlungsmacht — der Vertrag ist geschrieben.
- Im Käufermarkt mehr verlangen. Steht die Liegenschaft lange zum Verkauf, ist eine vollständige Übernahme der Nebenkosten durch die Verkäuferschaft ein realistisches Zugeständnis — es kostet sie weniger als eine Preissenkung in gleicher Höhe wirkt.
- Die Posten kennen, bevor du feilschst. Wer nicht weiss, ob es um CHF 3'000 oder CHF 25'000 geht, verhandelt blind. Zwei Minuten im Rechner geben dir die Zahlen für deinen Kanton.
Häufige Fragen
Wer zahlt, wenn nichts vereinbart ist?
Dann gilt das kantonale Recht. Vielerorts haften beide Parteien solidarisch gegenüber Notariat und Grundbuchamt — intern wird nach kantonaler Übung geteilt. Verlass dich nicht darauf: Eine Zeile im Vertrag schafft Klarheit.
Kann der Verkäufer verlangen, dass ich alles zahle?
Er kann es vorschlagen — bindend wird es erst mit deiner Unterschrift. In manchen Regionen ist «Käufer zahlt alles» verbreitet; verhandelbar bleibt es trotzdem, besonders wenn du der einzige ernsthafte Interessent bist.
Wer zahlt das Notariat, wenn der Kauf platzt?
Den bereits geleisteten Aufwand (Entwurf, Grundbuchabklärungen) verrechnet das Notariat — in der Regel der Partei, die den Auftrag erteilt hat, im Zweifel beiden. Auch das lässt sich vorab schriftlich regeln.
Sind die Notarkosten steuerlich absetzbar?
Nicht vom laufenden Einkommen. Aber: Selbst getragene Erwerbsnebenkosten (Notariat, Grundbuch, Handänderungssteuer) zählen beim späteren Verkauf als Anlagekosten und senken die Grundstückgewinnsteuer — Belege aufbewahren.
Weisst du, worüber du verhandelst?
Der Rechner zeigt dir Notariat, Grundbuch und Handänderungssteuer für deinen Kanton — damit du die Kostenteilung mit Zahlen statt Bauchgefühl verhandelst.
Zum Gebühren-Rechner →