Vorkaufsrecht bei Landwirtschaftsland: Familie und Pächter
Das BGBB kennt besondere Vorkaufsrechte für Verwandte, Pächter und Miteigentümer. Voraussetzungen und Übernahmepreis unterscheiden sich danach, ob ein ganzes landwirtschaftliches Gewerbe, ein einzelnes Grundstück oder ein Miteigentumsanteil verkauft wird. Pachtbeginn, Selbstbewirtschaftung und ortsüblicher Bewirtschaftungsbereich müssen vor dem Kaufvertrag dokumentiert sein.
Gewerbe und Einzelgrundstück zuerst trennen
Beim Gewerbe soll die betriebliche Einheit erhalten werden. Beim einzelnen Grundstück steht häufig die Arrondierung eines bestehenden Gewerbes im Vordergrund. Deshalb unterscheiden sich Kreis der Berechtigten, Selbstbewirtschaftung und Übernahmepreis. Wer nur «Familienvorkaufsrecht» in den Vertrag schreibt, ohne das Objekt zu qualifizieren, riskiert eine falsche Anzeige.
Vorkaufsrecht von Nachkommen und Verwandten
Beim landwirtschaftlichen Gewerbe haben geeignete selbstbewirtschaftende Nachkommen ein gesetzliches Vorkaufsrecht. Geschwister und Geschwisterkinder kommen nur infrage, wenn der Veräusserer das Gewerbe vor weniger als 25 Jahren ganz oder überwiegend von den Eltern oder aus deren Nachlass erworben hat. Beim einzelnen Grundstück benötigt der Nachkomme grundsätzlich ein landwirtschaftliches Gewerbe im ortsüblichen Bewirtschaftungsbereich.
Pächtervorkaufsrecht
Beim einzelnen Grundstück setzt das Pächtervorkaufsrecht grundsätzlich eine mindestens sechsjährige Pacht, ein eigenes landwirtschaftliches Gewerbe und Lage im ortsüblichen Bewirtschaftungsbereich voraus. Für den Pächter eines ganzen Gewerbes gelten eigene Regeln. Ein familieninterner Erwerb nach Art. 62 lit. b BGBB löst kein Pächtervorkaufsrecht aus; Verwandtenvorkaufsrechte sind separat zu beurteilen.
Miteigentümer und Verkaufsgegenstand
Wird ein Miteigentumsanteil veräussert, können besondere gesetzliche Vorkaufsrechte der Miteigentümer sowie BGBB-Rechte von Nachkommen oder Pächter zusammentreffen. Rang und Voraussetzungen sind sorgfältig zu bestimmen. Ein Verkauf der ganzen Parzelle durch alle Eigentümer ist rechtlich anders als der Verkauf nur eines Anteils.
Übernahmepreis ist nicht immer Kaufvertragspreis
Gesetzliche Vorkaufsrechte können besondere Preise vorsehen. Beim einzelnen Grundstück ist unter bestimmten Voraussetzungen der doppelte Ertragswert relevant; beim Gewerbe gelten eigene Regeln. Nebenleistungen, Inventar und Schuldübernahme werden wirtschaftlich einbezogen. Der Vorkaufsberechtigte tritt nicht zwingend zu jeder beliebigen verdeckten Bedingung ein.
Anzeige, Frist und Verzicht
Das Vorkaufsrecht ist innert drei Monaten auszuüben, nachdem die berechtigte Person von Abschluss und Inhalt des Vertrags Kenntnis erhalten hat; absolut endet es zwei Jahre nach dem Grundbucheintrag des Erwerbers. Notariat und Verkäufer sollten Berechtigtenliste und Zustellnachweise führen. Ein Verzicht vor Eintritt des Vorkaufsfalls ist öffentlich zu beurkunden; nach Eintritt genügt die Schriftform nach Art. 681b ZGB.
Hängiges Ehegattenvorkaufsrecht
Die Teilrevision 25.079 schlägt ein bevorzugtes Vorkaufsrecht für Ehegatten vor. Im Juli 2026 ist dieses noch nicht in Kraft und darf in heutigen Verträgen nicht als bestehendes gesetzliches Recht behandelt werden. Geltendes Recht, vertragliches Vorkaufsrecht und Reformvorschlag sind in der Beratung ausdrücklich zu trennen.
Vier Prüfungen vor Preis und Urkunde
Bei Landwirtschaftsland sollte zuerst schriftlich geklärt werden, ob und in welchem Umfang das BGBB gilt. Danach folgen Erwerberqualifikation und Bewilligung, zulässiger Preis sowie Vorkaufs-, Zuweisungs-, Teilungs- und Belastungsregeln. Nötig sind mindestens Grundbuchauszug, Zonen- und Parzellenplan, Flächen- und Betriebsdaten, Pachtverhältnisse, Ertragswertunterlagen, bestehende Grundpfandrechte und der aktuelle Entscheid oder die Auskunft der zuständigen kantonalen Behörde.
Erst auf dieser Grundlage sollten Kaufpreis, familieninterner Ausgleich, Gewinnanspruch, Wohn- oder Nutzungsrechte, Finanzierung und Steuern verbindlich formuliert werden. Bewilligung, öffentliche Beurkundung und Grundbuchvollzug sind dabei keine austauschbaren Schritte. Weil der Vollzug kantonal organisiert ist und Gesetzesrevisionen hängig sein können, müssen Rechtsstand und Zuständigkeit unmittelbar vor Unterzeichnung nochmals bestätigt werden.
Berechtigte vor dem Beurkundungstermin vollständig erfassen
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Notariat finden →Häufige Fragen
Hat jedes Kind ein Vorkaufsrecht am Bauernhof?
Nicht automatisch. Objektart, Selbstbewirtschaftung, Eignung und gesetzliche Verwandtschaftsvoraussetzungen sind entscheidend.
Wann hat der Pächter ein Vorkaufsrecht?
Die Voraussetzungen unterscheiden sich für Gewerbe und Einzelgrundstück; beim Grundstück sind grundsätzlich sechs Jahre Pacht und ein eigenes Gewerbe relevant.
Muss zum Preis des Drittkäufers übernommen werden?
Nicht immer. Das BGBB kennt je nach Vorkaufsrecht besondere Übernahmepreise.
Hat der Ehegatte schon ein neues Vorkaufsrecht?
Nein. Das in Revision 25.079 vorgeschlagene Recht ist im Juli 2026 noch nicht in Kraft.